bio gemuese

Lebensmittel aus biologischem Anbau sind in der Schweiz so gefragt wie nie. Waren Bioprodukte früher eine Randerscheinung, erreicht die Nachfrage inzwischen ungekannte Höhen. Mittlerweile greifen nicht nur sogenannte “Öko-Freaks” ins Bioregal, sondern auch “normale” Leute wie Lehrer, Handwerker oder Händler von Gerüsten. In einigen Ländern werden Bio-Produkte verkauft, deren Qualität zweifelhaft ist. Es ist keine Seltenheit, dass man in Supermärkten angebliches Bio-Gemüse aus China angeboten bekommt. Das Problem ist, dass Produkte aus fernen Ländern oft keiner Qualitätskontrolle unterliegen. Beim Anbau der Lebensmittel werden vielfach Pestizide und andere Chemikalien verwendet, die wegen ihrer Gefährlichkeit für die menschliche Gesundheit hierzulande auf der Verbotsliste stehen.

Das Gütesiegel “Bio Suisse Knospe” genießt eine hohe Glaubwürdigkeit bei den Käufern von Bio-Lebensmitteln. Das Label wird von der Dachorganisation “Bio Suisse” vergeben, die über die Tätigkeit der Schweizer Bio-Produzenten wacht. Der 1981 gegründeten Organisation haben sich bereits mehr als 5.000 Landwirtschaftsbetriebe angeschlossen. Damit ist die überwiegende Mehrheit der Schweizer Bio-Bauern Mitglied von Bio Suisse. Die strengen Qualitätsrichtlinien des Verbands gehen weit über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus, die für den biologischen Anbau gelten. Über 80 Prozent der Knospe-Lebensmittel werden in der Schweiz angebaut und verarbeitet. Bei der Lizenzierung spielen Kriterien wie Verkaufspreis, Ökologie und Transportdistanz eine Rolle. Produkten, die per Luftfracht importiert werden, wird das Knospen-Siegel verweigert.

Damit ein Produkt das Kospe-Label erhält, müssen mindestens 90 Prozent der bei der Herstellung verwendeten Rohstoffe aus der Schweiz stammen. Kritiker des Vergabesystems bemängeln, dass Discountern die Verwendung von Knospe-Labeln kategorisch verweigert wird – selbst dann, wenn die Lebensmittel die strengen Richtlinien von Bio Suisse erfüllen. Damit würden Bio-Fachhändler, bei denen die Produkte oft wesentlich teurer sind, begünstigt. Markenrechtlich geschützte Produkte dürfen dagegen auch beim Discounter das Bio Suisse-Label tragen. Diese Vergabepolitik erschwert den Verbrauchern den Preisvergleich von Knospe-Produkten. Kontrollinstitutionen wie Bio.inspecta wachen über die Einhaltung der Bio Suisse-Richtlinien. Unter anderem werden Verarbeitungsverfahren, Produktion sowie der Warentransport geprüft. Die in Münsingen ansässige Bio Test Agro AG ist ein weiteres Unternehmen, das Schweizer Bio-Produkte kontrolliert und zertifiziert.

 

 


Bio-Produkte

Die Schweizer Bio-Branche boomt. Im Jahr 2012 wurden fast 2 Milliarden Franken mit Öko- und Bio-Produkten umgesetzt. Die Palette der angebotenen Produkte reicht vom Fairtrade-Kaffee bis hin zu Schuhen, die so angenehm und bequem> sind, dass man sie gar nicht wieder ausziehen möchte. Viele Menschen sind der vielen Zusatzstoffe in konventionellen Lebensmitteln überdrüssig und greifen lieber etwas tiefer in die Tasche, um unbelastete Produkte zu kaufen. Traditionell kommt es den Käufern von Bio-Produkten in erster Linie auf den Inhalt an, dem Aussehen der Verpackung wird kaum Beachtung geschenkt. Um neue Kundensegmente zu erschließen, bemühen sich viele Hersteller nun um ein ansprechendes Design.

Während die Verpackungen von Bio-Produkten bisher eher langweilig und spröde daherkamen, sieht man inzwischen Designs, die sich von herkömmlichen Produkten kaum unterscheiden. Dieser Schritt ist nicht ohne Risiko. Ein zu edel wirkendes Design macht aus einem Glas Bio-Konfitüre ein Luxusprodukt. Einige Hersteller befürchten gar, ein verändertes Design könnte viele Stammkunden vergraulen. Bio-Firmen haben etwas, was sonst nur Kultmarken wie Apple oder Porsche besitzen: eine echte Fangemeinde. Diese Gruppe ist für die Unternehmen Segen und Fluch zugleich – auf der einen Seite sorgt sie für stabile Umsätze, andererseits sind viele Fans Traditionalisten, für die eine Änderung des Designs ein Sakrileg darstellt.

Die Kundenstruktur in der Bio-Branche hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Bioprodukte haben schon lange nichts Exotisches mehr. Heute greifen viele Konsumenten gelegentlich zu Bio-Lebensmitteln, um sich selbst etwas Gutes zu tun. Dafür brauchen nicht in Fachgeschäfte zu gehen, da es heute in fast allen Drogeriemärkten eine große Auswahl an Bio-Produkten gibt. Mittlerweile wird ein großer Teil des Umsatzes außerhalb der bekannten Bio-Fachhandelsketten gemacht. Da es in vielen Geschäften keine Beratung gibt, kommt dem Design eine höhere Bedeutung zu; das Produkt muss gewissermaßen für sich selbst sprechen. Neue Kunden gewinnen und sich selbst treu bleiben – dies ist für viele Hersteller von Bio-Produkten ein Akt auf dem Drahtseil. Einigen Firmen gelingt es tatsächlich, ein modernes Design zu entwickeln, das trotzdem nicht zu sehr nach Mainstream aussieht.