Biobauern
Das Handelsvolumen mit Bioprodukten legt jährlich um vier bis fünf Prozent zu. Vor allem biologisch hergestellte Lebensmittel werden den Ladenbetreibern förmlich aus den Händen gerissen. Dennoch steigen jedes Jahr Hunderte Schweizer Betriebe aus der Ökoproduktion aus. Wie kommt es dazu?

Die Wirtschaftlichkeit ist einer der Hauptgründe, weshalb manche Unternehmen dem Bio-Segment den Rücken kehren. Einige Betriebe schließen ihre Pforten für immer, andere wenden sich wieder dem klassischen Anbau zu, bei dem Pestizide eingesetzt werden dürfen. Die ökologisch bewirtschaftete Ackerfläche wird dadurch immer kleiner.

Die Direktvermarktung ist für viele Ökobetriebe ein Problem. Die Verantwortlichen verstehen in der Regel zwar jede Menge von der Landwirtschaft, aber nur wenig von Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Das Internet bieten Produzenten von biologischen Produkten die Möglichkeit, ihre Waren auf direktem Wege an Endverbraucher zu verkaufen. Einige Bio-Höfe betreiben eigene Webseiten, andere vertreiben ihre Produkte über ein Bio-Portal. Der Vorteil an Bio-Portalen ist, dass sie von den Nutzern leichter gefunden werden als unbekannte Seiten, die noch keine hohe Suchmaschinenposition haben.

Laut dem Dachverband Bio-Suisse gab es am Ende des Jahres 2012 in der Schweiz immerhin 115 Biobetriebe mehr als im Vorjahr. 245 Bauern stellten ihren Betrieb auf biologische Produktion um. Der Kanton Graubünden weist mit 54,9 Prozent den höchsten Anteil an Bio-Höfen auf. Im Kanton Bern hingegen produzieren von über 11.000 Betrieben nur 1.131 auf biologischem Wege – hier liegt der Anteil bei gerade einmal 10,2 Prozent.

Der Bio-Suisse-Präsident Urs Brändli fordert seit Langem eine angemessene Unterstützung der öffentlichen Hand, damit der ökologische Landbau weiterentwickelt werden kann. Investitionen in Forschung und Züchtung würden sich auf lange Sicht zugunsten des Agrarstandorts Schweiz auswirken. Der Bund wendet jährlich knapp 2,6 Milliarden Franken für die Unterstützung der ökologischen Landwirtschaft auf – zu viel, wie einige Kritiker meinen. Die Gelder dienten zum größten Teil der bäuerlichen Einkommenssicherung, nicht aber der Ökologie.

Es ist jedoch keineswegs so, dass staatliche Zuwendungen die einzige wirtschaftliche Grundlage für Bio-Höfe sind. Laut einer aktuellen Studie sind die Marktpreise, die sich für Bioprodukte erzielen lassen, für die Produzenten weitaus wichtiger. Allerdings lassen sich nur wenige von ihnen zu Risiken und Chancen der biologischen Produktion beraten. So kommt es nach der Umstellung immer wieder zu Enttäuschungen und Frustrationen, die leicht zu vermeiden wären.


bio gemuese

Lebensmittel aus biologischem Anbau sind in der Schweiz so gefragt wie nie. Waren Bioprodukte früher eine Randerscheinung, erreicht die Nachfrage inzwischen ungekannte Höhen. Mittlerweile greifen nicht nur sogenannte “Öko-Freaks” ins Bioregal, sondern auch “normale” Leute wie Lehrer, Handwerker oder Händler von Gerüsten. In einigen Ländern werden Bio-Produkte verkauft, deren Qualität zweifelhaft ist. Es ist keine Seltenheit, dass man in Supermärkten angebliches Bio-Gemüse aus China angeboten bekommt. Das Problem ist, dass Produkte aus fernen Ländern oft keiner Qualitätskontrolle unterliegen. Beim Anbau der Lebensmittel werden vielfach Pestizide und andere Chemikalien verwendet, die wegen ihrer Gefährlichkeit für die menschliche Gesundheit hierzulande auf der Verbotsliste stehen.

Das Gütesiegel “Bio Suisse Knospe” genießt eine hohe Glaubwürdigkeit bei den Käufern von Bio-Lebensmitteln. Das Label wird von der Dachorganisation “Bio Suisse” vergeben, die über die Tätigkeit der Schweizer Bio-Produzenten wacht. Der 1981 gegründeten Organisation haben sich bereits mehr als 5.000 Landwirtschaftsbetriebe angeschlossen. Damit ist die überwiegende Mehrheit der Schweizer Bio-Bauern Mitglied von Bio Suisse. Die strengen Qualitätsrichtlinien des Verbands gehen weit über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus, die für den biologischen Anbau gelten. Über 80 Prozent der Knospe-Lebensmittel werden in der Schweiz angebaut und verarbeitet. Bei der Lizenzierung spielen Kriterien wie Verkaufspreis, Ökologie und Transportdistanz eine Rolle. Produkten, die per Luftfracht importiert werden, wird das Knospen-Siegel verweigert.

Damit ein Produkt das Kospe-Label erhält, müssen mindestens 90 Prozent der bei der Herstellung verwendeten Rohstoffe aus der Schweiz stammen. Kritiker des Vergabesystems bemängeln, dass Discountern die Verwendung von Knospe-Labeln kategorisch verweigert wird – selbst dann, wenn die Lebensmittel die strengen Richtlinien von Bio Suisse erfüllen. Damit würden Bio-Fachhändler, bei denen die Produkte oft wesentlich teurer sind, begünstigt. Markenrechtlich geschützte Produkte dürfen dagegen auch beim Discounter das Bio Suisse-Label tragen. Diese Vergabepolitik erschwert den Verbrauchern den Preisvergleich von Knospe-Produkten. Kontrollinstitutionen wie Bio.inspecta wachen über die Einhaltung der Bio Suisse-Richtlinien. Unter anderem werden Verarbeitungsverfahren, Produktion sowie der Warentransport geprüft. Die in Münsingen ansässige Bio Test Agro AG ist ein weiteres Unternehmen, das Schweizer Bio-Produkte kontrolliert und zertifiziert.